Rundbrief V – der letzte Rundbrief
Rundbrief V
Ein fröhliches Hallo an meine Familie, Freunde, Bekannte, Unterstützer, Entsender Mitfreiwilligen und alle die das hier sonst noch lesen,
meine Zeit in der Slowakei ist vorbei. Diesen Rundbrief habe ich bereits in Deutschland geschrieben. Aber das dürften eh schon alle wissen. Also, was habe ich denn in den letzten Monaten gemacht?
Der Abschied begann für mich schon im Juni. Meine ganzen Studentenfreunde sind in ihre wohlverdienten Ferien gefahren. Aber es hat eine Menge Spaß gemacht sich mit ihnen noch einmal zu treffen und einfach nur rumzublödeln, was zu trinken oder auszunutzen das ich mein Auto in der Slowakei hatte um mit Miška, Kika und Majka nach Wien zu fahren. Es hat zwar geregnet, war aber trotzdem ein super letzter Ausflug… bzw. es war auch der erste Ausflug den wir zusammen gemacht haben weil wir uns vorher immer nur im UPeCe getroffen haben.
Da meine Mitbewohnerin Silvia Lehrerin ist und die 2 Monate Sommerferien in der Slowakei schon früh angefangen haben, haben wir alle (Silvia, Miška, Zina und ich) beschlossen einen letzten gemeinsamen Abend mit Hot Dogs, Bier und einer großen, leckeren Melone zu verbringen. Klingt vielleicht etwas ungewöhnlich (auch für Slowaken), aber mit ein bisschen slowakischer Folksmusik im Hintergrund, zu der später auch bisschen getanzt wurde, war es ein sehr lustiger Abend. Danach war Silvia auch schon weg. Mit Miška und Zina bin ich dann kurz vor meiner eigentlichen Abreise noch einmal gemütlich in einem Restaurant essen gegangen und danach haben wir uns gemeinsam Ice Age 3 im Kino angeguckt. Auf Slowakisch versteht sich. Ich muss sagen ich bin schon ein wenig stolz darauf dass ich ungefähr 90% von dem Film verstanden habe. ![]()
Am Tag meiner Abreise habe ich es mir natürlich dann auch nicht nehmen lassen Silvia noch einmal anzurufen um ihr auf Wiedersehen zu sagen. Aber von meinem letzten Tag später mehr.
An meinem letzten Wochenendbesuch in Banská Bystrica bzw. Špania Dolina (Zentralslowakei) besuchte ich mit meiner guten Freundin Katka Banská Štiavnica, ein hübsches Städtchen ganz in der Nähe. In dem Jugendzentrum in Špania D. erlebte ich eine so genannte `Silencia`. Um das einmal kurz zu erklären: In der Zeit in der ich dort war beendeten ca. 30 Jugendliche ihre Animatorschulung. Sie hatten über eine Woche mit viel Arbeit und Party hinter sich. Damit sie wieder ein bisschen zur Ruhe kommen und noch einmal in sich gehen zu können, so wurde mir erklärt, war Stille (¬¬¬¬ Silencia) angesagt. Wenn gesprochen wurde, dann wurde nur geflüstert. Beim Essen sollte man eigentlich gar nicht sprechen und es wurde Musik im Hintergrund gespielt. Die Betonung liegt hierbei auf sollte. 30 Jugendliche die beim Essen still sein sollen, das ist kaum zu schaffen. ![]()
Wie das bei dem Jugendzentrum schon so häufig vorkam, konnte ich auch an diesem letzten Besuch wieder neue Freunde kennen lernen: Lucia und Anna. Von ihnen wurde ich zu einem lustigen Grillabend im UPeCc in Banska Bystrica eingeladen. Was dann dazu geführt hat dass ich noch eine Nacht länger dort verbracht habe und am nächsten Tag erst später zur Arbeit kam, was aber dank meiner super Oberschwester Boženka kein Problem war. Die Direktorin Raslova musste davon ja nichts mitbekommen.
3 Wochen vor meiner Abreise kam mich dann noch meine Freundin Barbara aus Deutschland besuchen. Wir hatten ein paar wunderschöne Tage zusammen und besuchten die nahe gelegene Burg Devin, die Eishöhlen in der Zentralslowakei und für einen Tagesausflug nach Wien war auch noch Zeit. Dieses Mal hatten wir sogar schönes Wetter
.
Eine Woche später wollte ich dann eigentlich ein letztes Mal nach Banska Bystrica fahren um dort mit ein paar Freunden auf einem Konzert von einer guten slowakischen Band zu gehen. Leider erfuhr ich aber, während dem Besuch von Barbara, dass meine Oma gestorben war. Was dazu führte das ich noch einmal, für eine Woche, nach Deutschland geflogen bin.
Die ganze letzte Woche in der Arbeit gab es dann kein anderes Thema mehr außer meinem Abschied. Ich hatte mir viele Vorstellungen gemacht wie dieser denn aussehen könnte. Und natürlich kam alles anders als ich gedacht hatte. Durch meinen unerwarteten Deutschlandaufenthalt war es mir zum Beispiel zeitlich nicht mehr möglich eine letzte Stunde mit meiner Deutschgruppe zu halten. Schade, aber was soll man machen. So weit ich weiß fanden das meine Schüler auch nicht sooo schlimm, da ich eigentlich noch vor gehabt hatte einen kleinen Abschlusstest mit ihnen zu schreiben. ![]()
Im Altenheim aber hatte ich einen schönen (traurigen) Abschied. Am vorletzten Tag wurden alle Klienten, denen es möglich war, in den Speisesaal gerufen. Dort gab es dann für alle Kaffee und Kuchen. Für mich gab es Abschiedsgeschenke… mehr als ich erwartet hatte.
Unter anderem konnte ich mich über einen Fresskorb (in Form eines Kartons
mit slowakischen Spezialitäten, eine Slowakeifahne (welche jetzt an der Decke in meinem Zimmer hängt), 3 T-Shirts und einem Kopfgrauler freuen. Die Direktorin hat sich bei mir für meine Arbeit bedankt und ich habe mich, auf Slowakisch versteht sich, ebenfalls bei allen schon mal herzlich für die super Zeit bedankt.
An meinem letzten Tag war ich dann sehr müde, da ich am Abend zuvor noch mit Zuzka, meiner Slowakischlehrerin, und ein paar Freundinnen von ihr unterwegs war und Abschied gefeiert habe. Es wurde aber zum Glück weniger hochprozentiger Alkohol getrunken als ich gedacht hatte, sodass ich am nächsten Morgen nur müde war und mich nicht über einen schlimmeren Kater beklagen musste. ![]()
Am späteren Nachmittag war es dann endgültig Zeit für mich, mich von den Klienten zu verabschieden. Zum Andenken gab es für jeden ein Foto von mir. Zusammen mit Boženka bin ich von Zimmer zu Zimmer gegangen und habe die Bilder verteilt und auf Wiedersehen gesagt. Boženka hat ungefähr die ganze Zeit über geweint, während ich es irgendwie noch geschafft habe mich zu beherrschen. Ich werde aber vermutlich nicht so schnell vergessen wie eine Klienten beim Verabschieden gesagt hatte dass sie nicht weinen, sondern für mich beten werde und keine Sekunde später dann Diejenige war welche, neben Boženka, am meisten geweint hatte und auch mir damit die Tränen in die Augen getrieben hatte.
Viele Umarmungen und letzte Worte später war ich dann wieder in meiner Wohnung und am nächsten Morgen auf dem Weg zu dem ANEM – Lager.
Meine letzten Tage in der Slowakei war also ich auf dem ANEM-Lager. Dort wo slowakische Jugendliche die Chance haben Deutsch zu lernen, Spaß zu haben und den christlichen Glauben erleben zu können. Wir waren in Nitrianske Rudno, ein Ort direkt an einem Stausee gelegen. Ich habe Deutschunterricht für Jugendliche gegeben, mich viel unterhalten, jeden Tag eine heilige Messe (auf Deutsch!) mitgemacht aber natürlich auch das alternative Programm genossen. Z.B. gab es Workshops oder den internationalen Abend. Ein Abend an dem sich jeder in einzelnen Gruppen, z.B. mit Spielen, an dem Abendprogramm beteiligt hat. Bei einem Spiel z.B. hatte ich, zusammen mit drei anderen Jungs, plötzlich nur noch in Frauenklamotten an. ![]()
Die große Abschlussparty konnte ich allerdings leider nicht mehr miterleben, da ich schon früher wieder abreisen musste. Meine Heimreise nach Deutschland stand an. Aber zusammen mit den Betreuern des Lagers wurde bis spät in die Nacht mein Abschied in kleiner Runde gefeiert. Hierfür wurde extra, wegen des absoluten Alkoholverbotes, NUR Kofola (die slowakisch-tschechische Cola, wie ich es liebevoll nenne) eingekauft (zwinker zwinker).
Meine letzte Nacht in der Slowakei verbrachte ich allerdings noch einmal in Bratislava, bevor ich am nächsten Morgen meine restlichen Sachen zusammen gepackt und in meinem Auto verstaut habe. Nach Hause bin ich dann zusammen mit Benni, ein Freund aus Deutschland, gefahren. Da wir ja durch mein Auto recht flexibel waren, haben wir es uns nicht nehmen lassen über Prag nach Haus zu fahren. Wir konnten uns ein wenig die wirklich wunderschöne Stadt ansehen (ich beschloss spontan dort mein nächstes Auslandsjahr zu verbringen) und abends unsere tschechischen Kronen in einem teuren Restaurant für ein leckeres Essen ausgeben.
Als ich dann am 21.08, also Freitagmorgens, wieder zu Hause war, bin ich erst mal zu Barbara gefahren, bevor es dann am Nachmittag auch mal nach Hause ging.
Allerdings auch nur um kurz mein Auto auszuladen. Denn bis Samstag waren noch Freunde aus der Slowakei in Deutschland, und ich habe es mir natürlich nicht nehmen lassen mich mit ihnen zu treffen, slowakisch zu sprechen und sie am Samstagmorgen mit zum Flughafen zu bringen.
Am Montag begann dann in Linz/Rhein meine Erzieherausbildung.
Ich hatte wirklich eine super Zeit in Bratislava. Es war die beste Idee meines Lebens ins Ausland zu gehen und ich kann gar nicht sagen wie sehr euch alle, die mich dabei unterstützt haben, dafür danke! Ich konnte dort noch einmal ganz von vorne anfangen und die Zeit nutzen, an mir selbst zu arbeiten.
Sicher vermisse ich die Slowakei, mein Leben und meine Freunde dort wirklich sehr. Aber ich bin auch froh, mit meinen gemachten Erfahrungen wieder in Deutschland zu sein. Außerdem ist die Slowakei auch hier noch sehr präsent. Z.B. ist mein halbes Zimmer (welches übrigens kleiner ist als mein Zimmer in der Slowakei) slowakisch eingerichtet und in Kürze werde ich für die Deutsch-Slowakische Partnerschaft Slowakischunterricht geben.
Ich bin schon wieder voll drin, in meinem `neuen` alten Leben in Deutschland und freue mich schon darauf nächsten Monat zwei Tage Schule zu schwänzen und für ein verlängertes Wochenende wieder `nach Hause` zu fahren.
Wer das sich das oben gelesene einmal bildlich angucken will, braucht nur auf www.Ursel.wordpress.com zu gehen. Dort sind viele Bilder von mir hochgeladen worden.
Viele Grüße also diesmal wieder aus Kruft! Mit einem fröhlichen AHOJ verabschiede ich mich,
Euer Tobi
September 20, 2009 at 12:46 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar
Rundbrief IV
Rundbrief IV
Ein fröhliches Hallo an meine Familie, Freunde, Bekannte, Unterstützer, Entsender Mitfreiwilligen und alle die das hier sonst noch lesen,
ich will wie immer nicht lange um den heißen Brei herum reden, also:
In meiner Arbeit läuft es sehr gut. Vielleicht erinnern sich manche noch an die Klientin welche ich Anfang des Jahres versehentlich mit einer Tür ungestoßen, und ihr dadurch drei Wochen Krankenhaus und Reha beschert hatte. Ich berichtete wie sie todunglücklich an den Rollstuhl gefesselt wieder kam. Ich wollte die Projektstelle nicht eher verlassen bis das es ihr nicht wieder besser geht. Diesen Punkt kann ich beruhigt abhaken. Die Gehübungen auf dem Flur werden immer besser, das Weinen ist einem Lachen entwichen und sie nervt uns alle wie eh und je (und das ist durchaus positiv! J ).
Ich hatte mir vorgenommen bei der neuen Therapeutin Zlata (ich kann mir endlich ihren Namen merken
) eine feste Aufgabe bei ihren Bastelstunden zu bekommen. Allerdings war es mir nicht möglich eine, wie ursprünglich von mir angedacht, sehr selbständige, kreative Aufgabe zu bekommen. Das lag ganz einfach daran dass ich durch meine anderen Aufgaben keine Zeit dafür hatte. Ich hatte auch keine Lust ein paar von diesen Aufgaben aufzugeben da ich sie alle sehr, sehr gerne mache und nicht missen will. Also habe ich für folgendes angefragt: Einen Tag möchte ich bei Zlatas Arbeit helfen (sie ist immer drei Tage in der Woche da). Das heißt in der Zeit wo wir zusammen mit den Klienten arbeiten habe ich auch keine sonstigen Aufgaben. Also wird sich jetzt jeden Donnerstagmorgen mit dem Frühstück und der Desiata beeilt und von ungfähr 9 bis 11 Uhr nehme ich dann, zusammen mit ein paar Klienten, an Zlatas Programm teil. Es werden zuerst Auflockerungsübungen gemacht, dann viel gebastelt und sich auch mindestens genauso viel unterhalten. Wie gesagt, nicht das was ich mir anfangs vorgestellt hatte, aber durchaus zufrieden stellend. Außerdem gefällt es den Klienten und Zlata freut sich über meine Hilfe J.
Sonst hat sich an meinen Arbeitsalltag wenig geändert. Frühstück – Desiata – Bozenka (die Oberschwester) helfen + sonstige Arbeiten – Mittagessen – Mittagspause – Kaffee – ein bisschen dies ein bisschen das + gammeln – Abendessen. Das alles in einem Zeitraum von halb 7 bis, plus minus, halb 5.
Damit mir sonst auch nicht langweilig wird im Altenheim verstecke ich ab und zu die Zigaretten von meinen Kolleginnen, hänge über ein von mir aufgehängtes Foto das slowakische Wort für Engel (Anjel – neben Tobiasko, Tadeasch, Janko und mily chlapec (lieber Junge;-) einer meiner Spitznamen) oder wette mit Bozenka das sie es nicht schafft bis zum Ende meiner Dienstzeit 8 Kilo abzunehmen. Die Tafel Schokolade gehört so gut wie mir ;-D .
Der Deutschunterricht in Samaria läuft auch sehr gut. Hier hat sich nur verändert dass ein paar Klienten weg, und andere neu dazu gekommen sind. Aber meine Unterrichtsmethode funktioniert, überraschenderweise, ganz gut und bisher hat es noch jeder neue Schüler geschafft gut in die Themen mit einzusteigen J.
Fleißige Leser meines letzten Rundbriefes erinnern sich vielleicht ebenfalls auch noch daran wie ich ein bisschen frustriert darüber geschrieben habe dass meine Freunde hier so gut wie keine Zeit hatten um sich mit mir zu treffen. Aber auch hier hat sich alles zum positiveren gewendet. Ich habe zum Beispiel festgestellt dass das UPC (das pastorale Universitätszentrum) ein idealer Ort ist um sich mit ganz vielen von meinen Freunden zu treffen. Ich weiß gar nicht wie oft ich mich im Moment dort aufhalte um mit meinen Freunden in die zu Messe zu gehen, Kofola zu trinken, sich über Gott und die Welt zu unterhalten, Kicker und Tischtennis zu spielen oder oder oder. Mit dabei ist auch oft Miska (welche ja leider keine Zeit mehr hatte um sich mit mir regelmäßig montags zu treffen um ihr Deutsch zu verbessern) oder auch Mili und Ondro treffe ich sehr häufig. Aber sie dürften jetzt nur einigen Leuten von der Partnerschaft bekannt sein. Weiterhin gehe ich, mehr oder weniger, regelmäßig zu den Anem-Treffen und donnerstags habe ich nach wie vor Nachhilfe in Sachen Slowakisch bei Zuzka. Eine Woche ist im Moment wirklich schnell verplant und am Wochenende nutze ich die Zeit nach wie vor viel um lange zu schlafen, ins Internet zu gehen, meinen Kolleginnen beim Mittagessen unter die Arme zu greifen oder kleine Ausflüge in die Stadt oder andere Teile der Slowakei zu machen.
Ich bin im Moment wirklich zufrieden mit meinem Leben hier.
Einzig allein mein bevorstehender Abschied nervt mich im Moment doch sehr. Bzw. die Tatsache dass ich seit ungefähr 5 Monaten von meinen Kolleginnen und Klienten vorgerechnet bekomm wie lange ich denn noch habe. Dabei stellen sie immer wieder die Frage was sie denn nur ohne mich machen würden und das sie weinen würden wenn ich weg gehe. Das ist zwar total lieb und ich bin richtig gerührt wenn ich so was höre, aber, wie gesagt, nach 5 Monaten nervt es dann doch schon irgendwie. Im letzten Rundbrief wollte ich mich von daher noch nicht näher mit dem Thema beschäftigen. Aber durch den Beginn meiner Ausbildung zum Erzieher nach meinem Auslandsjahr (damit jetzt auch mal jeder weiß was ich so vor habe) werde ich quasi dazu gezwungen meinen Dienst um 1 bis 2 Wochen zu verkürzen. Was dann letztendlich dazu geführt hat dass ich mich ausführlich mit dem Thema: “Meine letzten Tage in der Slowakei“ beschäftigt habe. Folgendes ist dabei heraus gekommen: Mein letzter Tag in der Arbeit wird der 14.8. sein. Vom 15.8. – 19.8. werde ich bei dem Sommerlager von Anem teilnehmen und dort unter anderem Deutsch unterrichten. Am 20.8. kommt ein Freund aus Deutschland zu mir nach Bratislava und wir fahren gemeinsam zurück in meine deutsche Heimat. Ich habe allerdings noch keine Ahnung wie ich mich genau von allen hier verabschieden und z.B. meinen letzten Tag in der Arbeit gestalten werde. Aber das hat ja alles noch Zeit und kommt dann im nächsten Rundbrief.
Was habe ich denn sonst noch so gemacht. Nun, im März stand mein Zwischenseminar in Rumänien an. Ich habe mich zusammen mit vielen anderen Europäer – Freiwilligen in der schönen Altstadt von Sighisoara getroffen, viel reflektiert, berichtet, Erfahrungen ausgetauscht, jede Menge Spaß gehabt und ein bisschen Rumänien kennen gelernt. Das muss jetzt leider schon über mein Zwischenseminar reichen da eine ausführliche Ausführung von dem Zwischenseminar vermutlich über mehrere Seiten gehen würde, und die habe ich keine Lust zu tippen
.
Ganz interessant war vielleicht noch mein Ostern hier in der Slowakei. Ich hatte keine Lust auf ein hochkatholisches Ostern mit Freunden und habe es von daher vorgezogen bis Ostermontag allein zu bleiben und mich unter die von dem guten Wetter angelockten Touristen in Bratislava zu mischen. Ostermontag stand dann ein Grillen mit der Anem-Gruppe an, wozu ich eingeladen wurde. Hier hatte ich die Gelegenheit die sehr lustige Ostertradition mitzubekommen wenn die Männer ihre Frauen mit Wasser nass spritzen und, sie sollten es eigentlich nur leicht tun, mit Rutenstöcken schlagen, damit sie schön und gesund werden/bleiben (ein alter heidnischer Brauch). Viele Freundinnen haben sich allerdings danach bei mir beschwert dass sie durch das ganze Wasser krank geworden sind. Ich habe es mir dennoch nicht nehmen lassen mit zwei mit Wasser gefüllten Spritzen am nächsten Tag in der Arbeit durch die Gänge zu laufen und die Tradition an meinen Kolleginnen auszuprobieren. Allerdings haben sich diese dann in der Mittagspause bei mir gerächt. Sprich ich durfte mich umziehen weil ich klatschnass war
. Cool war aber dass ich von jeder Kollegin, nachdem ich sie ein bisschen nass gemacht hatte, Schokolade bekommen hatte (was zur Tradition dazu gehört), sofern sie welche hatte J . Interessant war auch, um das Thema abzuschließen, dass manche von den Klientinnen darauf bestanden haben dass ich sie ein bisschen mit Wasser bespritze und, als Ersatz für den Rutenschlag, mit der flachen Hand ( ganz leicht versteht sich) z.B. die Beine oder Arme tätschel, damit das auch ja alles gesund bleibt.
Zum Schluss meines Rundbriefes würde ich gerne noch kurz von der 72-Stunden Aktion (Jungendgruppen aus halb Deutschland haben drei Tage Zeit mit einer sozialen Aufgabe die Welt ein bisschen besser zu machen) in Deutschland berichten, an der wir mit unserer Partnerschaft mit einer Deutsch-Slowakischen Gruppe teilgenommen haben. Zusammen mit meinen slowakischen Freunden bin ich also, mal wieder
, nach Deutschland gefahren. Die soziale Aufgabe unserer Gruppe war es für einen Kindergarten einen Bachlauf aus Holzstämmen zu gestalten. Eine richtig coole Aufgabe die wir in drei Tagen erfüllen mussten. Ich konnte in der Zeit sehr viel Deutsch sowie slowakisch sprechen und musste auch schon das ein oder andere Mal den Dolmetscher spielen, was sogar einigermaßen funktioniert hat J. Ich war insgesamt 4 Tage in Deutschland. Zum dritten mal seit Beginn meiner Auslandzeit und ich habe die Zeit mit meinen ganzen Freunden wieder sehr genossen. Allerdings musste ich mich dann schon wieder von allen für eine längere Zeit verabschieden, was dann schon ein bisschen angefangen hat zu nerven.
Heim, also in die Slowakei, bin ich dann mit meinem eigenen Auto gefahren, mit dem ich jetzt noch die letzten beiden Monate durch Bratislava und die Slowakei tuckern werde J.
Bis August also,
euer Tobi=)
Juni 10, 2009 at 6:56 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar
Rundbrief III
Rundbrief III
Ein fröhliches Hallo an meine Familie, Freunde, Bekannte, Unterstützer, Entsender, Mitfreiwilligen und alle die das hier sonst noch lesen,
da mein Geburtstag schwer unspektakulär war und Nikolaus sich vom Prinzip her hier nicht von Deutschland unterscheidet fange ich einfach gegen Mitte Dezember an zu berichten:
Ich war eigenlich kaum in der Arbeit da mein Projektbesuch von Anne und Christian, zwei ehemaligen Freiwilligen von SoFiA, anstand. Sie haben sich kurz meine Stelle angeguckt, ich hab ihnen gesagt das es mir sehr gut geht und dann haben wir uns auch schon gemeinsam auf den Weg zu meiner Mitfreiwilligen in die Ukraine gemacht. Nach 20 Stunden Zugfahrt, 5-mal umsteigen und kleine Probleme mit unserem Ticket bei unserem ersten ukrainischen Zug sind wir dann aber doch gut angekommen. Es war interessant für mich einmal eine andere Projektstelle zu sehen. Besonders als ich bei der dortigen Nikolausaktion der Malteser dabei sein durfte, bei der ich weis nicht mehr wie viele Geschenke an die Kinder in verschiedenen Weisenhäusern verteilt werden. Ich hatte dadurch auch die Chance das erste Mal überhaupt in einem Weisenhaus zu sein, was ebenfalls nicht uninteressant war. Nachdem ich dann noch (zum wiederholten Male) herausgefunden habe dass ich zu viel Bier und Wodka alles andere als vertrage sind wir dann zu viert nach Polen und von dort aus bin ich dann auch direkt weiter nach Deutschland geflogen. Weihnachten stand vor der Tür.
Ursprünglich wollte ich über Weihnachten gar nicht nach Hause. Ich hatte es mir wie ein kleines “Wiederheimkommen“ vorgestellt. Es war mir vom Gefühl her einfach zu früh. Und dann auch noch, wegen diversen Flugverbindungen, einen ganze Woche. Ausserdem stand Mitte Januar, wegen einem Treffen mit der Deutsch-Slowakischen Partnerschaft, eh ein Heimaturlaub an. Allerdings hätte Weihnachten in der Slowakei für mich bedeutet dass ich die ganzen Feiertage mutterseelenallein in meiner Wohnung in Bratislava und, vermutlich vor Langweile, in der Arbeit verbracht hätte. Dann doch lieber Deutschland. Um das ganze dann aber doch noch ein wenig spannender zu gestalten habe ich mir erlaubt meiner kompletten Familie kein Wort von meinem Besuch zu erzählen. Es war eine schöne Überraschung für meine Eltern. Dennoch war es irgendwie komisch wieder daheim zu sein. Vielleicht weil eigentlich alles direkt nach meiner Ankunft daheim wieder genauso war wie vor meiner Abreise in die Slowakei (mal abgesehen vielleicht von der Tatsache dass mein Zimmer als Abstellraum für Weihnachtskisten umfunktioniert worden war). Aber was hatte ich erwartet? Das ich nach 5 Monaten zu Hause nichts wieder erkenne? Blödsinn. Ich hab die Zeit dann viel mit meinen Freunden verbracht und das auch sehr genossen. Die Woche ging ruck zuck vorbei und ehe ich mich versah saß ich auch schon wieder im Flieger um pünktlich zu Silvester in der Slowakei zu sein. Genauer gesagt im Herzen des Landes in dem kleinen Bergdorf Špania Dolina. Ich war dort zusammen mit mindestens 40 weiteren Jugendlichen in dem Diozösanen Jugendzentrum. Am Silvesterabend gab es dann zuerst eine Messe. Danach ca. 2 bis 3 Stunden Programm welches von ein paar Jugendlichen organisiert wurde und von dem ich zugegeben so gut wie nichts verstanden habe. Danach von halb 12 bis halb 1 Uhr morgens wieder in die Kirche. Es gab keine wirkliche Messe aber es wurde gesungen und gebetet. Danach wurde dann noch ein bisschen gefeiert. Da es bereits mein zweites Silvester in der Slowakei war kannte ich das bereits. Allerdings habe ich schon für mich beschlossen das ich, egal in welchem Land ich sein werde, das nächstes Silvester nicht noch einmal machen werde. Ich will pünktlich zum Jahreswechsel noch einmal selbst Böller und Raketen loslassen, und nicht um 12 in der Kirche hocken während draußen das Geballer losgeht. Dennoch konnte ich die paar Tage in Špania, wie immer, sehr genießen. Ich habe, mal wieder, viele neue Jugendliche kennen gelernt mit denen ich mich sehr viel unterhalten und auch angefreundet habe. Manche von ihnen studieren in Bratislava sodass wir uns dort ab und zu treffen können.
Die Arbeit hat mich also wieder. Nach zwei Wochen Urlaub wieder anfangen zu arbeiten war dann für mich aber genauso wie nach 2 Wochen Urlaub oder Ferien in Deutschland. Ich brauch dann einfach ne Woche bis ich wieder voll dabei bin. Aber dafür war ich schon an meinem ersten Tag, an dem ich wieder im Altenheim war, sehr positiv überrascht wie sehr sich die Klienten gefreut haben mich wieder zu sehen. Eine nahm mich sogar kurz in den Arm. Leider kam schon sehr kurz danach das nächste unangenehmere Erlebnis. Nachdem ich einen Klienten mit dem Frühstück versorgt hatte, wollte ich aus dem Zimmer gehen. Da die Türen hier im Allgemeinen etwas schwerer aufgehen (was das soll weiß ich auch nicht) öffnete ich die Tür gewohnheitsmäßig also mit etwas Schwung. Bum. Alles was ich dann noch sah war die Klientin wie sie kurz torkelt und dann nach hinten umfällt. Die nächsten drei Wochen habe ich diese Frau nicht wieder gesehen. Sie musste, da sie sich was gebrochen hatte, in ein Krankenhaus, wurde dort operiert und dann ging es in die Reha. Ich bin mit der ganzen Sache zuerst mit viel Humor umgegangen. Gut ich hab die Frau mit der Frau mit der Tür umgestoßen und sie hatte sich nach ihren Sturz was gebrochen, dennoch konnte ich mit meinen Freunden über die Geschichte lachen. Es war halt lustig das mir so etwas passiert ist. Bis zu dem Tag an dem die Frau wieder gekommen ist. In Erinnerung hatte ich diese Klienten als eine noch recht selbstständige, fröhliche Frau. Zurück aus der Reha kam eine Frau, welche todunglücklich ans Bett und an den Rollstuhl gefesselt ist. Auf die Frage wie es ihr geht kam sofort schlecht. Oft hat sie dann auch direkt angefangen zu weinen. Ich kann gar nicht sagen wie sehr ich mich ab diesen Moment für mein Verhalten geschämt und erst einmal mir die Schuld für das ganze gegeben habe, obwohl ich wusste dass ich nichts dafür kann. Schließlich kann ich auch nicht durch 6 cm dickes Holz gucken. Trotzdem habe ich Schuldgefühle. Dazu kommt dann noch das es mir bis vor kurzem einfach auch verdammt schwer gefallen ist einfach nur in das Zimmer zu gehen und diese vorher so selbständige Frau so hilflos und unglücklich dort liegen zu sehen. Allerdings werde ich diese Projektstelle nicht verlassen wenn ich nicht weiß dass es ihr besser geht. Also ist aufmuntern angesagt. Da ich Aufmuntern in der Regel allerdings gar nicht beherrsche war es für mich schon eine Überraschung als ich das erste Lächeln auf ihrem Gesicht gesehen habe und sie letzte Woche sogar schon wieder die ersten Gehübungen auf der Flur hatte. Immer weiter so. Weiterhin hat sich aber auch etwas getan in meiner Arbeit. Angefangen bei meinen Arbeitszeiten. Kurz vor meinem Weihnachts- und Silvesterurlaub fand ich sie einfach nur total blöd. Ich fange um 7 an und das meiste vom Frühstück ist schon gemacht. Und dann um 3 halb 4 aufhören ist auch irgendwie so mittendrin gewesen. So zwischen Kaffee und Abendessen. Dazu kam noch das ich mich einfach nicht ausgelastet gefühlt habe und einfach mehr machen wollte. Mehr selbstständig und mehr andere Arbeiten. Also stehe ich seit dem um halb 7 auf der Matte und arbeite so im Schnitt bis 5 Uhr. Viele kleine Sachen bei denen ich, neben meinen eigentlichen Arbeiten, jeden Tag verstärkt helfen kann waren schnell gefunden. Oft bin ich auch freiwillig Samstag oder Sonntag im Altenheim. Allerdings erst so ab dem Mittagessen um da mitzuhelfen. Das hat verschiedene Gründe. Erstens ich kann ausschlafen bevor ich ins Altenheim fahre. Zweitens habe ich sonst zu nichts Lust und bevor ich rum gammle und gar nichts Sinnvolles tue arbeite ich doch lieber. Und drittens bleibt auf der Arbeit immer was zu Essen übrig, was mir bei meinem am Wochenende oft relativ leeren Kühlschrank sehr gelegen kommt. Nach dem Mittagessen mache ich dann alles wobei ich helfen kann + mit meinem Laptop in einem kostenlosen, wenn auch langsamen, Internetnetz surfen. Die Sache mit der kreativen Arbeit ist, wie sollte es auch anders sein, dann aber ganz anders gekommen. Eigentlich hat sich da bisher kaum etwas getan und ich hab verdammt lange gebraucht um zu raffen das ich mich da verdammt noch mal selbst drum kümmern muss wenn ich kreativ arbeiten will. Blanka, welche ich ja in meinem zweiten Rundbrief schon mal erwähnt hatte, wurde ungefähr eine Woche nach abschicken meines letzten Rundbriefes entlassen. Meine Chefin war wohl mit ihrer Arbeit alles andere als zufrieden. Dafür sind jetzt seit kurzem zwei neue Therapeutinnen da. Die erste kommt immer montags und arbeitet lieber alleine mit den Klienten. Da werde ich also nichts machen können. Die zweite aber kommt dienstags bis donnerstags und hat meiner Chefin schon gesagt dass sie nichts dagegen hat wenn ich bei ihren Stunden dabei bin. Dabei war ich schon, habe allerdings nur dumm dabei zugeguckt wie Blumen gebastelt wurden. Da die Frau, deren Name mir jetzt leider entfallen ist, aber eine ganz liebe ist werde ich jetzt einmal anfragen ob ich nicht vielleicht festere Aufgaben bei ihr übernehmen könnte. Wodurch ich bestimmt etwas lernen kann, was mich schon arg freuen würde. Durch den ganzen Personalwechsel ist dieser Teil meiner Arbeit also immer noch in der Entwicklungsphase, wodurch ich, hoffentlich, erst im nächsten Rundbrief mehr darüber berichten werde. Der Deutschunterricht in Samaria war dann nach Silvester plötzlich wieder ein riesiges Problem. War ich vor meinem Urlaub zuversichtlich dass mit dem neuen Buch alles besser wird und ich auch ein entsprechendes Gefühl während des Unterrichtes hatte, so war ich nach meinem Urlaub nach den ersten Stunden der Verzweiflung nahe. Da der ganze Unterricht mehr auch eine therapeutischen Sinn haben sollte ist es mir ja vielleicht egal wenn sie nicht wirklich Deutsch lernen, sondern mehr nur so Phrasen. Aber das ganze war eine einzige Katastrophe da mich die Schüler NULL verstanden haben. Egal ob ich mit ihnen auf Deutsch oder Slowakisch gesprochen habe. Ich will einfache Übungen machen, erkläre was gemacht werden soll und sehe nur in Ratlose Gesichter der Schüler welche sich untereinander fragen was denn der Kerl da vorne bitte von ihnen wolle. Wie es meine Art ist stehe ich dann sehr schnell genervt vor der Klasse. Ich bin also mal wieder zur Frau Rašlova gegangen um eine Lösung für mein Problem zu finden. Allerdings habe ich das ganze wohl etwas undeutlich rüber gebracht. Sie kam ziemlich schnell mit der Frage ob wir mit dem Unterricht nicht vielleicht einfach aufhören sollten. Da war ich allerdings total dagegen da die ganze Sache eine interessante Herausforderung für mich ist. Darum habe ich mich an Dieter, dem Lehrer der mir auch das Buch für den Unterricht empfohlen hat, gewandt. Mit ihm habe ich die ganze Unterrichtssituation noch einmal überdacht und wir sind dann gemeinsam darauf gekommen das ich alles noch viel einfacher gestalten muss. Im Grunde, und ich hoffe jeder versteht was ich jetzt damit meine, alles für “ganz Blöde“. Es läuft bisher schon gar nicht so schlecht. Ich habe mir ein paar kleine Lernspiele für die Schüler ausgedacht welche jede Stunde zuerst wiederholt werden bevor es daran geht etwas Neues zu erlernen, was auch schon mal durch z.B. eine kleine Bastelaufgabe erfolgen kann. Mittlerweile kann also die Vorbereitung von so einer einzelnen Unterrichtsstunde schon mal einen Abend in der Woche bei mir ausfüllen. Ein Problem sind dann leider nur die Schüler welche bereits Vorkenntnisse in Deutsch haben und viele von meinen Aufgaben dann doch zu einfach sind. Hierfür habe ich dann nach der eigentlichen Unterrichtsstunde noch eine Extrastunde eingerichtet, welche erheblich schwieriger gestaltet ist. Schwieriger für die Schüler und schwieriger für mich, da ich jetzt auch die deutsche Grammatik intensiv erklären muss. Mit: „Das ist halt so!“, komme ich nicht mehr weit. Also muss man sich doch erst noch einmal selbst mit der deutschen Grammatik beschäftigen, bevor man anfangen kann sie zu erklären. Mal sehen wie sich das ganze weiter entwickelt.
Nach Silvester stand dann für meine sämtlichen Studentenfreunde erst einmal Prüfungszeit an. Ich weiß gar nicht wie oft ich den Satz: „Ich/wir haben leider keine Zeit, da ich/wir lernen müssen“ gehört habe. Als dann die ganzen Prüfungen vorbei waren, hatten plötzlich alle Ferien. Sprich gefühlte 90 % von meinen Freunden waren eine Weile überhaupt gar nicht in der Stadt sondern irgendwo in der Slowakei daheim bei ihren Familien. Die anderen hatten nach wie vor viel zu lernen oder schon was anderes vor oder, oder, oder. Es waren einige Wochenenden welche ich allein in meinem Zimmer gehockt habe. So was geht mir dann schon an die Nieren. Ich werde frustriert und habe auch zu sonst nichts Lust. Das einzige was von Anfang wieder funktioniert hat war meine Nachhilfe in Slowakisch bei Zuzka. Das läuft. Aber sonst. Zur Anem-Gruppe kann ich nach wie vor regelmäßig gehen, mir fehlt nur des Öfteren die Lust dazu. Michaela, der ich ja in Deutsch geholfen habe, konnte ich dann irgendwann wieder treffen. Neuer Treffpunkt war das so genannte UPC (Univerzitné pastoračné centrum – pastorales Universitätszetrum wenn ich das richtig verstehe), welches direkt neben dem Studentenwohnheim liegt. Von daher kam es nicht selten vor das noch ein paar weitere Freunde dort anzutreffen waren. Leider hat mir Michaela jetzt vor zwei Tagen gesagt das sie neben ihren eh schon straffen Unterrichtsplan noch Englischnachhilfe geben wird und von daher keine Zeit mehr für unsere Treffen hat. Ich werde jetzt also versuchen mich mit anderen regelmässig im UPC zu treffen. Vielleicht ergibt sich ja was zur allmontaglichen Abendmesse, welche unter anderen von zahlreichen Studenten immer gut besucht ist. Überhaupt ist sich über die Woche treffen um einiges einfacher, da am Wochende halt wieder sehr viele Studenten heim fahren. Aber ich denke bei den zahlreichen Bekanntschaften die ich hier bereits gemacht habe wird sich da schon irgendwas ergeben. Ich will euch also nicht weiter mit dem Thema nerven sonder einfach mal positiv in die Zukunft blicken.
Was ist sonst noch so passiert? Nun, Mitte Februar, also noch gar nicht so lange her, stand der nächste Besuch aus Deutschland an. Meiner Eltern zusammen mit meiner Schwester sind einmal kurz vorbei gekommen. Sie konnten in meiner Wohnung schlafen, meine Arbeit und was von der Stadt sehen und an einem Abend waren wir auf einem Konzert von der, ich hoffe das stimmt jetzt, Lieblingsband meiner Schwester, was ihr als Weihnachtsgeschenk gedient hat. Ich denke wir haben ein paar schöne Tage zusammen verbracht. In der letzten Zeit haben dann auch noch die Bewerbungen für diverse Schulen in Deutschland angestanden. Einen Schulplatz konnte ich mir bereits sichern. Da das alles aber leider auch mit den ersten Gedanken über das Ende meiner Slowakeizeit zusammenhängt will ich jetzt gar nicht mehr darauf eingehen. Denn wie und vor allem wann mein Abenteuer Slowakei für mich endet steht für mich persönlich noch lange nicht fest.
Bei meinem Vorbesuch hatte ich gesagt dass es mir hier sehr gut geht. Das kann ich auch nach diesem Rundbrief fast drei Monate später noch sagen. Alles was ich hier erlebe tut mir verdammt gut, ich merke wie ich an mir und meinen Problemen arbeiten kann und ich mich so langsam positiv verändere.
So, mal sehen was mich hier in der nächsten Zeit alles so erwartet.
Bis irgendwann also, euer Tobi
März 3, 2009 at 8:35 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar
Rundbrief II
Rundbrief II
Hallo ihr alle,
in den letzten beiden Monaten ist viel passiert und um nicht viel Zeit zu verschwenden fange ich doch einfach mal direkt mit meiner Arbeit an:
Lenka ist weg. Wer sich nicht erinnert: Lenka war diejenige welche in dem Sekretariat gearbeitet hatte und mir am Anfang, obwohl es eigentlich nicht ihre Aufgabe war (!!), mit am meisten geholfen hat. Zuletzt ganz spontan bei meinem ersten Friseurbesuch in er Slowakei, vor dem ich mich schon vor der Abreise in die Slowakei gefürchtet hatte
. Aber mit den Übersetzungskünsten von Lenka und einem Bild von mir wie es denn am Ende aussehen soll muss ich sagen ist es doch ganz gut gelungen und ich bin zufrieden mit meinen Haaren, das einzige womit ich wohl so richtig pingelig sein kann. Aber ich schweife ab. Lenka ist also weg. Wir haben noch Kontakt mit Email, aber ich vermisse es schon ein bisschen mit ihr in Deutsch zu sprechen. Ich habe mit ihr ausschließlich in Deutsch gesprochen, da sie ihres verbessern wollte. Sie wurde sogar immer ein bisschen böse wenn ich mit meinen wenigen Slowakischkenntnissen angefangen habe. Es war schon lustig.
Die Studenten die ihr Praktikum bei uns gemacht haben sind leider auch weg. Ich habe aber noch viel Kontakt mit ihnen, dazu später aber mehr. Es ist nur schade dass ich jetzt nicht mehr mit Leuten in meinem Alter zusammen arbeiten kann. Immer ein paar Jugendliche um sich zu haben hat schon Spaß gemacht. Aber mit meinen sonstigen Kolleginnen verstehe ich mich sonst sehr gut, ist also gut zu verkraften
.
Mein Arbeitstag beginnt um 7 Uhr morgens mit Frühstück machen – für die Klienten und für sich selbst. Die meisten frühstücken auf ihren Zimmern. Während also die Kolleginnen die kleinen vorbereiteten Tabletts zu den Zimmern bringen ziehe ich los um die bettlegerischen Klienten zu versorgen. Nachdem alles vom Frühstück weggespült wurde (zum Glück mit Spülmaschiene) mache ich mich daran die Desiata vorzubereiten. Diese gibt es so zwischen 9 und halb 10. Das klingt jetzt schon mal alles sehr monoton und langweilig. Aber keine Sorge. Zwischendurch bleibt immer wieder Zeit sich mit den Klienten zu unterhalten, Witze mit ihnen zu machen und natürlich auch ein bisschen mit den Kolleginnen rumzublödeln. Bis zum Mittagessen gibt es dann die verschiedensten Arbeiten die anfallen können. Angefangen bei kleineren Sachen wie zur Apotheke gehen bis hin zu Arztbesuchen mit den Klienten in den umliegenden Krankenhäusern. Durchaus auch allein, das funktioniert schon ganz gut. Oder braucht wieder irgendwer bei irgendwas Hilfe bin ich natürlich auch direkt zur Stelle!
Gegen 12 wird zu Mittag gegessen. Nachdem ich geholfen habe alle in den Speiseraum zu bringen begebe ich mich, wie schon beim Frühstück, zu den bettlegerischen Klienten. Um den Rest kümmern sich die Kolleginnen. Sind dann alle versorgt und wieder auf ihren Zimmern haben wir unsere Mittagspause. Stören kann uns dabei eigentlich nur wenig. Z.B. unsere Alzheimpatientin, welche dann immer gerne herumläuft und Dinge verstellt oder dort hingehen will wo sie nicht hingehen soll. Aber mit dem “falte-doch-mal-bitte-diesen-Haufen-Handtücher – Trick“ kann man sie gut über die Mittagspause beschäftigen. So um ca. halb 2 begann dann bisher immer der etwas langweiligere Teil des Tages, da es nur selten etwas zu tun gab für mich. Aber das kommt mittlerweile immer seltener vor. Es wird also dies und das erledigt bis ich um 3 halb 4 nach Hause gehe. Wobei ich sagen muss das ich es jetzt auch für mich entdeckt habe noch etwas länger zu bleiben, dann noch weiter bei der Arbeit mithelfe oder mich einfach mit meinem Laptop ins Internet wähle. Etwas vom Abendessen kann ich dann meistens auch noch abstauben, was ich ebenfalls nicht schlecht finde.
Vor kurzem habe ich dann die Aufgabe bekommen etwas kreative Arbeit mit den Klienten im Altenheim zu machen. Sprich zum Beispiel basteln oder Spiele spielen usw. Vielleicht auch einfach nur zu Unterhalten. Der Sinn dahinter ist, neben der Tatsache dass einem nicht langweilig wird, dass man dadurch dafür sorgen kann dass es den Klienten, welche sich von ihrer Familie verlassen/ausgestoßen fühlen könnten, wieder besser geht. Was mir sehr zusagt wenn ich dabei helfen kann. Ich bin mich allerdings gerade noch am eingewöhnen. So von einen Tag auf den anderen selbständig kreativ und spontan mit alten Menschen arbeiten kann ich halt nicht. Aber ich denke ich kann mir hierfür Hilfe bei Blanka holen. Sie ist für genau eben diese Arbeit bei uns zuständig. Wenn auch nicht jeden Tag da. Mit ihr werde ich, so vermute ich bisher mal, teils zusammen arbeiten. Mal sehen wie es sich einspielt. Das ganze ist neben meiner anderen Arbeit auch zeitlich nicht so einfach unterzukriegen.
Im November wurde mir dann auch noch eine weitere Aufgabe ausserhalb des Altenheims zugeteilt. Immer Montags soll ich in Samaria Deutschunterricht geben. Samaria ist die Tagesstätte für die geistig behinderten Jugendlichen. So wurde es mir jedenfalls am Anfang immer erklärt. Aber schon bei meinem Vorbesuch konnte ich herausfinden, dass es eher psychische Dinge sind, welche die Klienten, im Alter zwischen 20 und 30, belastet.
Wie das bei mir bisher fast immer der Fall war bin ich mit der “Wird schon irgendwie werden – Einstellung“ in diese Arbeit gestartet. Nachdem ich aber dann drei Montage unterrichtet hatte, hat mir diese Aufgabe dann doch einmal den Anreiz dafür gegeben mir ausführlicher darüber Gedanken zu machen. Im Altenheim entwickelt sich ja alles so weit ganz gut. Sozialarbeit nach meinen Vorstellungen. Aber die Arbeit in Samaria hat in mir einige Fragen hervorgerufen. Zum einen war der von mir geführte Unterricht einfach schlecht, was daran liegt das ich keine Ahnung davon habe. Das musste sich also schon einmal ändern. Meiner Meinung nach viel wichtiger aber war dass ich gar nicht so richtig wusste an welcher Krankheit denn die Klienten jetzt wirklich leiden. Und welchen therapeutischen Sinn der Unterricht haben sollte wurde mir auch nicht klar. Also habe ich das Gespräch mit meiner Mentorin, der Direktorin Frau Dr. Rašlova (dürfte ja mittlerweile jedem bekannt sein), gesucht. Sie konnte mir erklären dass die Klienten an so was wie Schizophrenie (falls man das wirklich so nennt – ich weiß es nicht!) leiden. D.h. sie haben Probleme mit dem Kontakt bzw. der Kommunikation zu anderen Menschen und hören mehr auf eigene stimmen in ihren Köpfen. In Samaria wird dann durch verschiedene Aufgaben und Aktionen (wie z.B. eben mein Unterricht) angeregt, dass die Klienten den Kontakt zu anderen suchen “müssen“ um sich mit ihnen auszutauschen.
Ausserdem mussten diese Menschen alle paar Jahre immer in eine Psychiatrie wo an ihnen Elektroschocktherapien durchgeführt, und sie unter starke Medikamente gesetzt wurden. Durch Samaria konnte bisher schon erreicht werden, dass die Klienten seit mehreren Jahren nicht mehr in die Psychiatrie mussten. Mein Unterricht würde also dabei helfen eben genau diesen Erfolg weiter auszubauen. Ich persönlich finde das super!!
Weiterhin hat mich Frau Rašlova mit Dieter (ein Deutscher der in der Slowakei Deutschunterricht gibt), bekannt gemacht. Bei ihm habe ich mir wertvolle Tipps für den Unterricht holen können und ein neues Lehrbuch haben wir auch schon besorgt. Ich bin zuversichtlich dass sich jetzt einiges verbessern wird. Die ersten neuen Unterrichtsstunden waren zwar schwer, aber gaben mir ein eindeutig besseres Gefühl als die davor. Ein schönes Gefühl.
In Samaria bin ich wegen meiner bisher doch kurzen und selteneren Einsatzzeit noch in der Kennenlernphase mit den Kolleginnen und Klienten. Im Altenheim sieht es da schon ganz anders aus. Um kurz aus meinem ersten Rundbrief zu zitieren: „Ich bin gerade dabei meine eigene Umgangsweise mit den Klienten und meinen „Rhythmus“ mit der Arbeit zu finden…“ . Mittlerweile weiß ich wie ich mit welchen Klienten umzugehen habe. Mit welchen kann ich z.B. welche Witze machen und bei wem kann ich auch mal ein klein wenig böse werden ohne dass man Angst haben muss den Menschen jetzt beleidigt zu haben usw. Wie ich bereits geschrieben habe ist es mir auch mit meinen Sprachkenntnissen schon möglich mit den Klienten kleinere Unterhaltungen auf Slowakisch zu führen. Was schon teilweise richtig Spaß macht. Viel verstehe ich zwar noch nicht, aber das nötigste. Genau so ist es bei den Kolleginnen. Sie müssen zwar noch sehr viel zweimal erklären, aber es wird immer besser.
Für sie alle bin ich der “Sohn“ und der liebe “Engel“
. Das einzigste was mich an der Sohn – Sache stört sind z.B. Sachen wie: ständig in den Haaren rumwuscheln wollen, Küsschen auf die Backe geben, an die Hand nehmen wollen (ich mein – geht’s noch??^^) usw. Da ist mir meine richtige Mutter in Deutschland schon noch um einiges lieber
. Aber ich konnte schnell klar machen wie weit sie gehen dürfen. Ist ja alles auch nur Spaß! Das Arbeitsklima sonst ist super. Viel Rumblödlerei ist angesagt. Zusammen mit meinen im Moment ganz gut geregelten Tagesablauf kann man also auch sagen: Mein „Rhythmus“ mit der Arbeit ist gefunden!
. Nur eine Sache würde ich gerne erwähnen, welche mir aufgefallen ist und mir nicht gefallen hat: Und zwar betrifft es die Sache, als meine Kollegin Zuzka mir irgendwann angefangen hat das Gefühl zu geben ich sei ihr unsympathisch. Da kommt man z.B. morgens zur Arbeit, sagt fröhlich guten Morgen und bekommt nur ein knappes „Hallo“ erwidert wobei man noch nicht einmal angeguckt wird. Es hat also keinen Spaß gemacht mit ihr zu arbeiten. Ich habe Boženka, die Oberschwester, auch einmal darauf angesprochen. Ihre Antwort darauf war, dass dies normal sei, ich sollte mir keine Sorgen machen. Zuzka würde mich mögen, sie sei halt nur eine Roma, die wären so drauf. Also ich komme sonst wirklich super mit Boženka klar, aber so wie sie das damals gesagt hatte kam es schon schwer gemein rüber. Ich habe also selbst versucht herauszufinden wie man denn ein mehr freundschaftliches Verhältnis zu Zuzka aufbauen kann. Und hatte Erfolg. Im Moment sprechen wir mehr miteinander und machen auch unsere Witze usw. Ich muss zugeben sie hat manchmal schon eine etwas gewöhnungsbedürftigere Art, aber damit konnte ich mich mittlerweile anfreunden.
Der letzte Abschnitt in Bezug auf meine Arbeit schildert jetzt wohl die intensivste Erfahrung, welche ich bisher hier machen durfte. Lest es euch erst einmal durch, ich habe danach noch etwas dazu geschrieben. .
Mittagessen. Mittlerweile Routine ganz allein bei den bettlegerischen Klienten zu sein und diese zu füttern. Mit der Klientin bei der ich jetzt bin gab es bisher nie Probleme. „Sie isst gut“, hätte eine Kollegin jetzt gesagt.
Mit ihrer rechten Hand reibt sie ununterbrochen über die Bettkante, sodass der gesamte Arm ständig in Bewegung ist. Ich verstehe zwar nicht wieso sie das macht, lasse mich davon aber auch nicht weiter stören.
Mit ihr zu reden ist schwer. Viel spricht die Frau nicht. Aber einen guten Tag kann man ihr wünschen und wie es ihr geht bekommt man auch aus ihr raus. Viel mehr kann ich eh noch nicht auf Slowakisch fragen.
Nach jedem Löffel den ich ihr gebe hustet sie. Das ist normal, da muss ich einfach nur ein bisschen abwarten und weiter geht’s. Mit einem Mal allerdings ändert sich etwas. Sie hustet schlimmer und ihre Atmung hört sich irgendwie anders an. Soft schießt mir durch den Kopf: „Jetzt erstick mir hier bitte nicht!!“. Aber ich schiebe das direkt auf eine Erkältung zurück, die sie in den letzten Tagen gehabt hatte, und gebe ihr einen weitern Löffel , aber es hört nicht auf. Ich bekomme ein klein wenig Panik. Ich rede auf die Frau ein dass sie sich bitte wieder beruhigen soll, stelle dann fest dass ihr die Farbe etwas aus dem Gesicht weicht und weiss erst einmal nicht was ich machen soll. Ich warte ein bisschen und als ich denke sie ist wieder ruhiger gebe ich ihr einen weiteren Löffel den sie hustend runter schluckt. Das reicht mir. Ich höre erst einmal auf mit dem Füttern. Sie atmet seltsam, hustet wie blöd und wird blass. Dann fällt der Arm, welcher sonst immer in Bewegung ist, schlaff hinunter. Ab jetzt verstehe ich gar nicht mehr was passiert. Ich schaue einfach nur zu. Ihre restlichen Bewegungen verlangsamen sich, dann bewegt sie sich gar nicht mehr. Ich suche mit meinen Fingern nach der Pulsader am Hals, fühle rein gar nichts und denke dass ich einfach nur falsch gefasst habe. Ich spreche die Frau mit ihren Namen an. Erst nichts. Dann atmet sie mit einem Mal wieder auf. Fast so als würde sie nach Luft schnappen nachdem sie sie eine zeitlang angehalten hatte. „Super“, denke ich, „dann kann es ja weiter gehen“. Nichts da. Beim aufatmen bleibt es. Jetzt macht sie wirklich überhaupt rein gar nichts mehr. Da ich keine Ahnung habe warum und was ich jetzt machen soll suche ich die Oberschwester auf. Ihr erzähle ich nur dass die Klientin nichts mehr isst und ich nicht weiss warum. Direkt kommt von ihr: „Nun vielleicht ist sie tot“. Woraufhin ich antworte: „BITTE NICHT!“.
Wir gehen zum Zimmer. Die Oberschwester sieht nur auf die Klientin runter, stupst sie kurz an und sagt dann wie selbstverständlich: „ Ja… ja sie ist tot“. Erst jetzt kapiere ich was eben passiert ist und wobei ich da zugeschaut habe. Ich schlage die Hände über Kopf zusammen. „OH SHIT“.
Wir gehen aus dem Zimmer und die Oberschwester meint nur: „Nun, das ist das Leben!“, und zuckt dabei so mit den Schultern als würde sie so etwas jeden Tag erleben und es von daher nichts Besonderes für sie ist. Ich ordne dann erst mal meine Gedanken während ich mich auf den Weg mache den nächsten Klienten zu füttern. Ich wundere mich: Diese Frau ist gestorben während ich sie gefüttert habe, ich habe ihr dabei zugesehen und es noch nicht einmal kapiert! Und dennoch; ich denke mir rein gar nichts dabei. Weder bin ich betroffen, noch schießen mir Gedanken wie: „Scheisse du hast sie umgebracht!!“, oder ähnliches durch den Kopf.
Ich bin dabei als die Oberschwester in der Küche den beiden anderen Schwestern erzählt was passiert ist und direkt Witze gemacht werden von wegen ich hätte sie umgebracht (so hatte ich das jedenfalls von der Gestik her verstanden).
Ich bin dabei als die Oberschwester und eine weiter Schwester noch einmal ins Zimmer gehen, die Augen der toten Klienten schließen, mit einem Edding das Geburtsjahr und das Todesdatum auf das Bein schreiben und sie schließlich zudecken. Ich empfinde während der ganzen Zeit nichts. Wieder wundere ich mich, aber es scheint auch für mich direkt eine Art Routine zu sein, welche eigentlich gar nicht vorhanden sein dürfte. Sie ist halt eben tot.
Auch als ich die Angehörige weinen sehe…nichts!
Das einzige, was dann doch aufkommt, ist die Frage (nicht der Vorwurf – so komisch es auch klingt) ob ich in irgendeiner Weise an dem Tod dieser Frau Schuld trage. Ich spreche die Direktorin darauf an. Aber sie meint nur dass ich mir da keine Gedanken drüber zu machen brauche, und das mache ich tatsächlich nicht.
Später höre ich mich selbst wie ich meinen Freunden erzähle: „Ich habe auch schon meine erste Klientin umgebracht….“
Menschen gehen manchmal auf eine seltsame Weise mit dem Tod um.
Generell muss ich sagen ist es merkwürdig für mich wie hier mit dem Tod umgegangen wird. Es ist schwer zu erklären. Man wundert sich warum die Kolleginnen anscheinend so locker damit umgehen, bevor man dann feststellt wie wenig es doch einen selbst zu betreffen scheint, was einen noch mehr verwundert. Mir wurde bereits der Tipp gegeben dass ich damit ruhig mal zu Fr. Rašlova gehen und sie darauf ansprechen soll. Was ich auch vor habe zu machen – ohne jetzt natürlich in irgendeiner Weise eine von meinen Kolleginnen anschwärzen zu wollen oder so etwas.
Mama, du arbeitest in einem Krankenhaus und es sterben dort ebenfalls Patienten. Vielleicht kannst du mir sagen wie das bei euch ist?
Peter und Ute, danke für die Telefonate die ich deswegen schon mit euch geführt habe und die mir geholfen haben.
Ich würde mich sehr freuen noch weitere Meinungen dazu zu hören und würde daher jeden der möchte gerne ebenfalls auf eine Rückmeldung hierzu anregen!
Kommen wir nun zu meiner Freizeitgestaltung hier. Um wieder auf meinen letzten Rundbrief zu sprechen zu kommen: Dort hatte ich geschrieben dass ich noch nicht so viel Kontakt zu anderen Jugendlichen habe. Jetzt ist es genau umgekehrt.
Bereits am Anfang erwähnt wurden die Studenten, welche ich kennen gelernt hatte als sie ein Praktikum bei uns im Altenheim gemacht hatten: Lenka, Janka, Rast´o und Lukaš. Wir treffen uns seit dem Praktikum immer wieder mal, gehen was zusammen trinken, ab und zu mal in die Kirche usw. Bei diesen Gelegenheiten konnte ich auch noch weitere Mitstudenten kennen lernen (z.B. Maria, Monika, Martin und wie sie alle heißen).
Gehen wir weiter zu der Jungengruppe, die ich ebenfalls schon einmal im letzten Rundbrief angesprochen hatte, und welcher ich beigetreten bin: ANEM. Um kurz den Namen zu erklären und die Gruppe vorzustellen: ANEM steht für Anglicko – Nemecko / England – Deutschland. Kurz gesagt wird von der Gruppe einmal im Jahr ein Sommerlager für Jugendliche veranstaltet in dem Deutsch unterrichtet wird und zusammen der gemeinsame Glauben neu erlebt / ausgelebt wird. Ob ich nächstes Jahr bei dem Lager dabei sein kann, eingeladen wurde ich schon, ist leider noch schwer zu sagen da es sich mit dem Ende meines Freiwilligenjahres kreuzen könnte. Aber weiter im Text. Jeden Freitag trifft sich die Gruppe zur Gebetsrunde. Nachdem also erst ein bisschen geplaudert wurde wird zusammen gebetet und gesungen. Dabei bekommt jeder die Möglichkeit Gott / Jesus für etwas danken oder um etwas zu bitten. Danach wird meistens noch etwas zusammen unternommen. Vielleicht geht man in ein Restaurant, oder einen Pup oder zu einer sonstigen Veranstaltung die gerade stattfindet, oder man guckt sich einfach auch mal nur gemütlich einen Film zusammen an.
Gleich bei dem ersten Treffen haben mir Janko, Luba, Katka, Mario, Kika, Monika, Marek, Zuzka, Mato, Andrea, Heidi, Natalie und wie sie alle heißen das Gefühl gegeben als würde ich bereits schon ewig dazu gehören. Es war toll
. Als ich dann eingeladen wurde gegen Ende Oktober über ein Wochenende mit nach Terchová (ein wunderschönes ländliches Dorf im Norden der Slowakei) zu kommen habe ich direkt zugesagt. An diesem Wochenende waren wir in der herrlichen Umgebung von Terchova wandern, waren schwimmen, haben zusammen gebetet und einfach nur jede Menge Spass gehabt. Auch habe ich Johannes aus Wien kennen gelernt, welcher schon seit einiger Zeit der ANEM – Gruppe angehört und auch recht gut slowakisch spricht. Er war auch der Anlass für die Gruppe vor kurzen einmal für einen Abend nach Österreich zu fahren um seine neue Wohnung in Augenschein zu nehmen. Ich muss sagen es ist schon interessant wenn man mit dem Auto von Bratislava aus nur kurz auf der Autobahn ist und gefühlte 10 Minuten später ist an in Österreich und alles ist wieder in Deutsch geschrieben und sieht ganz anders aus.
Nach wie vor Kontakt habe ich ebenfalls zu Leuten aus dem Sprachkurs, welcher hier direkt zu Beginn stattgefunden hatte. Zum einen wären da Dora (meine damalige Lehrerin), Anna und Justus ( beide sind Deutsche welche wie ich eine Zeit in der Slowakei zubringen).
Man trifft sich zwar nur seltener, aber man trifft sich und macht dann auch mal bissl Party zusammen. Weiterhin gibt es da noch die beiden Zuzkas. Sie sind zwei Studentinnen deren Aufgabe es war sich während des Sprachkurses um alles Mögliche zu kümmern. Auch hier trifft man sich ab und zu mal um etwas zu trinken. Wobei ich hierbei ebenfalls auch wieder welche von ihren Freundinnen kennen lernen konnte (Katka, Lulu, Maike). Mit ihnen in die Disco zu gehen lehne ich dann aber immer ab. Mit einer von den beiden Zuzkas treffe ich mich im Moment auch regelmäßig. Immer Donnerstags um 18:00 Uhr zum Slowakischunterricht. Sie studiert nämlich seit 2 oder 3 Jahren ihre eigene Muttersprache als Fremdsprache, so hat sie es mir jedenfalls erklärt, und kennt sich von daher auch ziemlich gut mit der Grammatik aus. Irgendwann hat sie mich dann gefragt ob sie mir nicht helfen kann, was ich gerne angenommen habe. Sie hatte es allerdings entschieden abgelehnt dass ich sie bezahle, was ich sehr gerne machen würde da sie schon etwas Arbeit mit mir hat. Aber das ist typisch für Slowaken. Vermutlich hätte ich den Preis aus ihr rausprügeln müssen.
Wen habe ich noch vergessen? Ach so ja natürlich! Meine guten Freunde aus Banska Bystricá und Špania Dolina (Zentralslowakei) welche ich ja bereits schon vorher kannte. Ein Teil von ihnen studiert hier in Bratislava, den Rest fahre ich immer wieder gerne übers Wochenende besuchen. Das letzte Mal war ich z.B. wieder in Špania Dolina in dem Diözesanen Jugendzentrum zu Besuch als dort gerade auch ein Animatorkurs stattfand. Während die meisten also in dem Kurs waren konnte ich mich unter anderem einfach nur sehr viel unterhalten, beim Kochen geholfen oder einmal auch Schnee geschippt. Da wir dort ca. 30 cm Neuschnee hatten (letztes Jahr waren es sogar 1m) und es nicht aufhören wollte zu schneien hatten wir einiges zu tun. Aber durch spontane Schneeballschlachten zwischendurch hat es auch eine Menge Spaß gemacht! Natürlich lerne ich auch durch solche Besuche wieder sehr viele, nette junge Menschen kennen. Ich werde jetzt aber gar nicht erst damit anfangen alle Namen aufzuzählen. Es wären einfach zu viele und ich würde vermutlich eh einige vergessen. Lediglich eine von ihnen möchte ich kurz vorstellen: Michaela. Sie studiert in Bratislava Deutsch und hatte mich vor kurzem darum gebeten ob ich ihr nicht etwas helfen kann. Daraus ist entstanden dass wir uns jetzt jeden Mittwoche für ca. eine Stunde treffen, irgendetwas zusammen unternehmen und uns dabei komplett nur in Deutsch unterhalten, da es ihr darum geht einen Deutschen zu hören und selbst Deutsch zu sprechen. Die Grammatik brauche ich ihr dabei zum Glück nicht zu erklären. Die kann sie vermutlich eh um einiges besser als ich.
Durch all diese Bekanntschaften kann ich übrigens auch sagen dass meine Sprachkenntnisse immer besser werden. Unterhaltungen auf Slowakisch werden immer häufiger geführt. Wobei es noch am einfachsten ist wenn man auf Slowakisch chattet oder simst, da einem dabei schnell mal ein Wörterbuch helfen kann. Telefonieren oder direkte Gespräche sind da schon schwieriger. Manche verstehe ich besser, manche schlechter. Meistens wird dann auch in einem Mischmasch aus Deutsch und Slowakisch gesprochen, was auch ganz lustig sein kann. Bei meiner Mitbewohnerin Miška ist es besonders lustig. Wird sie wegen der Abwesenheit der andern beiden Mädchen quasie dazu “gezwungen“ mit mir zu sprechen, meint sie irgendwann, natürlich ironisch, das ich doch bitte endlich einmal richtig Slowakisch lernen soll. Aber auch wenn meine Slowakischkenntnisse immer besser werden, ich war schon froh als mich ein Freund aus Deutschland für ein paar recht amüsante Tage besucht hat und ich mich mit ihm auf Deutsch unterhalten konnte. Ach, Benni, ich würde sagen beim nächsten Mal laden wir die Mädels dazu ein bei uns zu schlafen!
Bevor ich jetzt so langsam mal zum Ende von meinem Rundbrief komme möchte ich gerne noch den für mich stärksten Unterschied zu Deutschland ansprechen. Der starke katholische Glaube mit dem ich besonders durch meine Freunde sehr oft in Verbindung komme. Vermutlich ist es manchen schon aufgefallen wie geschrieben habe dass ich mit manchen von ihnen ab und zu mal in die Kirche gehe oder einmal die Woche eine Gebetsrunde ist. Schon als ich 2007 das erste mal die Slowakei besucht habe war ich schon etwas baff, besonders wie stark doch auch die Jugendlichen in meinem Alter diesen Glauben leben. Mein Vorgänger in der Slowakei erzählte mir dann dass er das Land nie so empfunden hatte. Darum dachte ich mir eigentlich auch dass ich in Bratislava weniger auf solche Jugendliche treffen werde. Aber weit gefehlt. Zwar gibt es hier nach meiner Einschätzung genau so viele nichtgläubige wie gläubige Menschen, aber es ist fast so als würde ich die Katholiken magisch anziehen. Fast alle von meinen aktuellen Freunden sind, mal mehr mal weniger, gläubig. Um es einmal etwas besser verständlich zu machen wie ich das denn jetzt genau meine, habe ich mir erlaubt eine kleine Auflistung von Erlebnissen zusammenzustellen, die das ganze etwas verdeutlichen:
- Wie bereits erwähnt treffen sich Jugendliche einmal die Woche um unter anderem Gott / Jesus für etwas zu danken oder um etwas zu bitten.
- Ich werde von einer Freundin wie selbstverständlich gefragt in welche Kirche ich denn am Sonntag gehe. Frag das mal einen Jugendlichen in Deutschland.
- Mit den Studenten und einer Klientin wurde ein paar Mal im Altenheim der Rosenkranz gebetet. Einmal saßen wir sogar mit knapp 10 Jugendlichen bei der Klientin im Zimmer.
- Ein slowakischer Priester zögert mir während einer Messe die hl. Kommunion zu geben da wir uns kennen und er weiß dass ich nicht gläubig bin. Die Hostie verkörpert ja bekanntlich den Leib Christi welchen man dann in sich aufnimmt. Das ist für die Slowaken ein sehr viel wichtigerer Moment während der hl. Messe als für uns Deutsche. Jemand der nicht gläubig ist sollte also die Hostie nicht bekommen. Für mich war es in diesem Moment einfach wie selbstverständlich nach vorne zu gehen und die hl. Kommunion zu empfangen.
- Während einer Zugfahrt mit ein paar Freunden wird kurz vor der Ankunft noch einmal der Rosenkranz gebetet.
- Ich lerne ein Mädchen kennen welche mir erzählt wie sie die Bibel gelesen hatte und darin Antworten für ihr ganzes Leben fand, wie sie später die liebe Gottes spüren konnte und diese jetzt auch an andere weiter geben will. Sie ist auch die erste die mir zur Verabschiedung mit den Worten „Gott segne dich“ ein Kreuzeichen auf die Stirn macht. Ich wusste zuerst nicht wie ich darauf reagieren sollte und stand etwas betröppelt in der Gegend rum.
- Ich beobachte Jugendliche die so intensiv beten dass es fast schon so aussieht als würden sie meditieren.
Da ich jetzt nicht so der gläubige Typ bin ist es für mich immer noch sehr interessant zu erleben wie die Jugendlichen hier ihren Glauben leben. Allerdings habe ich mich am Anfang auch immer wieder fragen müssen wie ich damit umgehen soll wenn jetzt gerade wieder gebetet wird und ich bin dabei und habe in diesem Moment keine Lust dazu mitzubeten. In Deutschland konnte ich z.B. lange Messdiener sein oder eine Jugendkirche mit aufbauen und einfach nur Spaß an der Sache haben ohne mir viele Gedanken darüber machen zu müssen dass ich ja eigentlich nicht an Gott glaube. Hier ist es da schon teilweise recht schwer meinen Freunden zu erklären warum ich denn trotzdem gerne bei manchen Messen und Gebeten dabei bin, aber es mir irgendwann doch zu viel wird und ich es dann wieder ablehne dabei zu sein. Aber genauso wie ich kein Problem damit habe dass meine Freunde hier so stark ihren Glauben ausleben, haben sie kein Problem damit wenn ich das nicht tue.
Um die letzten 6 ½ Seiten noch einmal kurz in zwei Sätzen zu beschreiben:
- Die Arbeit macht sehr viel Spaß und ich habe endlich das Gefühl hier etwas bewegen zu können.
- Ich habe mittlerweile sehr viele Freunde gefunden mit denen es sehr viel Spaß macht etwas zu unternehmen und es sehr interessant ist deren Lebensweise kennen zu lernen.
Also,
lieber Spenderkreis: Meiner Meinung nach ist das Geld gut angelegt. Noch einmal vielen, vielen Dank für eure vielseitige Unterstützung!!
Meine guten Freundinnen und Freunde: Ich vermisse es schon irgendwie mit euch rumzuhängen und abends weg zu gehen und freue mich deshalb immer sehr wenn ich mit euch schreiben kann!
Liebe Eltern: Ich finde dadurch das wir uns jetzt eine zeitlang aus dem Weg gegangen sind und uns nach unseren albernden Streit ein wenig aussprechen konnten hat sich unser Verhältnis durchaus zum positiven gewand. Ist doch mal was
.
Kleines großes Schwesterherz: Ich finde es toll was du alles in Indien erlebst und es macht mich glücklich dass es dir dort so gut geht! Bin unheimlich stolz auf dich was du alles meisterst!!
Für die nächsten zwei Monate sehe ich einiges auf mich zukommen und ich freue mich wie ein kleines Kind darauf! Es geht mir supergut mit meinem Projekt und meinem Leben hier und ich bin zuversichtlich dass es sich auch weiterhin so positiv entwickeln wird
.
So, jetzt gehe ich aber erst mal einen Tee trinken. Wenn also noch Fragen sind einfach bei mir melden!
Euer Tobi =)
Dezember 15, 2008 at 7:12 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar
Rundbrief I
Ein fröhliches Ahojte euch allen!
Wenn ich das hier abschicke müsste ich in meiner 8. Woche im Ausland sein. Also Zeit endlich mal was von mir hören zu lassen und das bereits Erlebte in diesen Rundbrief einmal kurz zusammen zu fassen.
Meine vorerst letzte Woche in Deutschland habe ich komplett dazu genutzt um mich von meinen Freunden zu verabschieden. Von meiner Familie dann am Flughafen.
Wie schon bei meinem Vorbesuch wurde ich von der Direktorin der Charita (Caritas) Bratislava , Dr. K. Raslova, und einer Kollegin, Gabi, dann am Flughafen in der slowakischen Hauptstadt abgeholt und zum Haus Samaria gefahren. Dort befindet sich neben der Tagesstätte für Jugendliche mit geistigen bzw. psychischen Erkrankungen im Obergeschoss die Wohnung in der ich das Jahr über wohnen werde. Da ich alles jedoch schon wie gesagt von meinem Vorbesuch kannte war ich nur auf das Zimmer gespannt welches ich bekommen sollte. Es war ein anderes Zimmer als bei meinem letzten Besuch, dennoch sehr gemütlich. Die drei Mädchen (eig. Frauen aber hier wird dauernd von Mädchen gesprochen) mit denen ich zusammen wohne waren fast alle im Urlaub oder über das Wochenende woanders. Nach kurzer Absprache mit Dr. Raslova wann ich denn den Weg zu meiner Sprachschule gezeigt bekommen sollte verbrachte ich dann die erste Nach in meinem neuen Zimmer. Am nächsten Morgen traf ich dann auf Miška, einer meiner Mitbewohnerinnen. Sie zeigte mir noch wie ich zum Kaufland komme bevor auch sie über das Wochenende verschwand. Nachdem ich mir also erst einmal etwas zum Essen gekauft, ein bisschen ausgepackt und mich mit den nötigsten in der Wohnung vertraut gemacht hatte lief ich ein bisschen in der näheren Umgebung herum um mich mit allem ein bisschen vertraut und erste Bilder zu machen. Sonst war mir eigentlich recht langweilig. Am nächsten Morgen wurde ich dann von Gabi mit dem Auto abgeholt. Sie erklärte mir kurz mit welchen Bussen ich wie zur Sprachschule komme und brachte mich dort zur Anmeldung hin. Dort lies sich mich auch erst einmal allein nachdem ich einfach mal spontan zugestimmt hatte ich wüsste dank ihrer Erklärung wie ich wieder nach Hause komme. Dumm nur das der Bus von dem sie gesprochen hatte einfach nicht kam. Aber durch ein bisschen rumfragen und rumirren in Bratislava habe ich dann wieder nach Hause gefunden. Allerdings sollte das Problem mit den nicht fahrenden Bussen sich fast auf die gesamte erste Woche des Sprachkurses, welcher am nächsten Tag anfing, noch hinausziehen. Ich bin also ein oder zweimal zu spät zum Unterricht gekommen und von Bus auf Strassenbahn umgestiegen. Ich habe es schon in Deutschland gehasst mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. Der Sprachkurs selbst war super, dauerte drei Wochen und war damit viel zu kurz. Anfangs war ich noch etwas überrascht da ich mich eigentlich nur auf Unterricht auf Englisch mit noch ein paar weitern Ausländern eingestellt hatte. Tatsächlich waren nur zwei weitere Deutsche in meiner Klasse. Weiterhin bestand sie noch aus einem Italiener, einer Griechin, einer Österreicherin, einer Finnin und natürlich aus der slowakischen Lehrerin, Dora. Sonst waren der Schule Menschen aus Amerika, Belgiern, Ungarn, Australien, (Weiß-)Russland, Bulgarien, Tschechien, Frankreich, Japan, Taiwan, Polen, Syrien, Rumänien, Spanien (und ich weiß nicht was ich noch alles vergessen hab) anzutreffen. Die slowakische Nation wurde hauptsächlich aus den Lehrern(innen) oder Assistenten(tinnen) vertreten. Unterrichtet wurde von Montag bis Samstag, auf Englisch und Slowakisch. Allerdings für mich doch etwas zu schnell. Zu viele Vokabeln und etwas zu komplizierter Grammatik (und ich bin auch einfach nur faul). Dennoch konnte selbst ich einiges aus dem sehr gut gestalteten Unterricht mitnehmen und den Abschlusstest mit einer 3 bestehen. Ja ich hatte ein klein wenig Hilfe während des Tests von Dora, aber danach fragt ja keiner. Insgesamt waren die drei Wochen auch von den Organisatoren verdammt spannend, lehrreich und unglaublich Spaßig und interessant gestaltet worden. Z.B. durch Ausflüge in die Stadt, ins Kino (wobei ich mir nicht noch einmal einen 2 ½ Stunden Film komplett auf Slowakisch antun möchte
), ins Museum, in ein kleines Musical von einer Schule, auf eine Burg und durch diverser Abendprogramme in der Schule. Wir konnten typische Slowakische Volkstänze, Instrumente, Kleidung, Speisen und noch vieles mehr kennen lernen. Am Ende gab es dann neben viel Party (auf der Tanzwiese wächst so schnell kein Gras mehr!) noch eine Zertifikatsübergabe. Die sollte in >official clothes< stattfinden, was ich aber irgendwie nicht so ganz mitbekommen hatte. Danach also erst einmal allein slowakisch weiter lernen. Womit ich mir allerdings bis jetzt noch sehr schwer tue. Aber ich bin schon dabei mir (hoffentlich) genügend Hilfe (Kontakte von der Schule und andere Slowaken /-innen mit denen ich täglich spreche) hierfür zu besorgen.
In der vierten Woche startete ich dann im Altenheim mit meiner Arbeit. Am ersten Tag wurde ich mit den ersten Kolleginnen, es gibt dort keine männlichen Kollegen, und mit meinen ersten Arbeiten vertraut gemacht. Ich lernte dort auch Lenka kennen. Mit ihr würde ich, auch wenn sie im Sekretariat arbeitet, mit am meisten zu tun haben. Meine Hauptaufgaben bestehen neben Frühstück, Desiata (zweites Frühstück), Mittagessen und Kaffee mithelfen vorzubereiten, und die Klienten entsprechend damit zu versorgen, darin die Klienten am Nachmittag bei schönem Wetter auf die Terrasse bringen, beim Betten machen helfen, zur Apotheke gehen, zum Arzt gehen, kleine Einkäufe erledigen, zur Post gehen und bei allem zu helfen was sonst noch so alles an Arbeiten im Domov Dochodcov (Altenheim) und im Sekretariat der Charita anfällt. Die erste Woche stimmte mich dann allerdings schon einmal direkt negativ. Dass ich mit älteren Menschen nicht so gerne arbeite wusste ich zwar schon vorher, aber es machte mir absolut gar keinen Spaß. Auch wenn mir die Arbeiten wie z.B. die Klienten duschen und Windeln wechseln weitgehend bis jetzt erspart blieben. In dem Haus Samaria konnte ich erst nicht arbeiten da dort alles im Urlaub war. Kurz danach wurde mir dann auch noch von der Direktorin Dr. Raslova gesagt ich solle am meisten im Altenheim eingesetzt werden. Mir war direkt klar dass ich damit mit ihr noch einmal drüber reden würde, sollte sich mein Bild über die Arbeit nicht ändern. Wenn ich das richtig verstanden habe arbeiten die Schwestern abwechselnd in einer Nacht- und Tagesschicht oder so. Allerdings kann ich dabei keinen geregelten Rhythmus feststellen, also vermute ich dass der Arbeitsplan immer neu erstellt wird. Es ist lustig, da ich ja nur Tagsüber arbeite und morgens nie weiß mit wem ich denn an diesem Tag zusammen arbeite. Ausser der Oberschwester und er Putzfrau, sie arbeiten nur Tagsüber. Die Namen von den Klienten und den Schwestern konnte ich mir in der ersten Woche noch nicht merken. Und auch nach den ersten 4 / 5 Wochen habe ich damit noch sehr viele Probleme. Aber Namen merken gehört ja eh zu meinen großen Schwächen. Mit Gabi und Dr. Raslova hatte, und habe ich, eigentlich mit am wenigsten zu tun. Ich war eigentlich von dem Gegenteil ausgegangen aber das ist jetzt auch nicht weiter schlimm. Umso mehr, eigentlich am meisten, hilft mir Lenka. Sie spricht sehr gut Deutsch und zeigte mir schon in der ersten Woche nach der Arbeit ein bisschen die Stadt und erklärte mir so gut sie konnte die wichtigsten Arbeiten die ich für Sekretariat erledigen soll. Viele Probleme gibt es allerdings noch mit der Sprache. Ich muss allerdings sagen das ich überrascht darüber bin das sich wirklich jeder bisher wirklich sehr bemüht mir alles auf irgendeine Weise verständlich zu machen. Das ist teilweise sogar ganz lustig. Aber auf Dauer finden das glaube ich alle, mich da natürlich mit eingeschlossen, einfach nur lästig. Also bemühe ich mich meine wenigen Brocken Slowakisch zu verbessern. Schon nach der ersten Woche folgte durch zwei Feiertage ein langes Wochenende, sprich ich hatte 4 Tage frei. Perfekt für einen spontanen Besuch bei meinen Freunden in Banska Bystrica (Zentralslowakei). Wohnen konnte dort ich bei einer Freundin und ihrer Familie. Ich konnte zwar nur ein paar von meinen Freunden wieder sehen aber es war trotzdem ein wunderbares Wochenende. Danach wieder in die Arbeit. Die zweite Woche war dann schon ein bisschen besser. Aber auch nichts Besonderes. Für mich eine reine Eingewöhnunsphase in die Arbeit.An manchen Nachmittagen nach der Arbeit mit Lenka durch die Stadt gegangen. In der dritten Woche dann so die Wende. Zum ersten Mal das Gefühl das ich mit allem schon besser klar komme. Ich habe mich an die Arbeit gewöhnt und es sogar angefangen Spaß zu machen. Ich bin gerade dabei meine eigene Umgangsweise mit den Klienten und meinen „Rhythmus“ mit der Arbeit zu finden (falls jetzt einer versteht was ich damit meine, wenn nicht ist auch egal). Die dritte Woche ging dann also endlich mal mit einem guten Gefühl für die Arbeit zu Ende. Vielleicht auch weil ich erfahren habe das ich im Samaria zwei mal die Woche Deutsch unterrichten soll. Ich habe das Gefühl das ich dabei richtig Spaß haben könnte. Was mir allerdings in den drei Wochen noch aufgefallen ist, ist dass ich teilweise einfach nichts zu tun habe. Dann frage ich wobei ich helfen kann und bekomm teilweise gar nichts, teilweise irgendwelche Larifari- Arbeit und manchmal auch etwas, in meinen Augen, vernünftiges zu tun. Dann die 4. Woche. Vier Studenten werden im Rahmen ihres Studiums zwei Wochen lang in dem Altenheim arbeiten. Das hat mich erst mal gefreut allerdings sind wir damit mit 4 Leuten total überbesetzt, gut das man dann teilweise hoch ins Sekretariat gehen und dort ein paar Arbeiten erledigen kann. Sonst hat sich in der Woche nichts verändert. Am Freitag gab es dann den ersten Todesfall. Es kam für mich etwas überraschend, gehört aber zu meiner Arbeit dazu. Auch wenn ich zugeben muss das es am Anfang ein bisschen komisch war. Danach das Wochenende war ich wieder in Banská Bystrica ( kurz: BB). Ein Freund aus Deutschland unterrichtet dort zurzeit an einem Gymnasium und gab mir dadurch einen guten Grund einen weitern Besuch dort abzustatten. Typisch nur das ich genau an diesem Wochenende zum ersten Mal eine spontane Einladung per SMS bekomme mit ein paar Slowaken Samstag Abends etwas zu machen. Gut das wird dann einfach demnächst mal nachgeholt.
Und jetzt noch schnell etwas zu meinem Leben in der Wohnung mit den drei Mädchen und meiner sonstigen Freizeitgestaltung bisher: Mit den Mädchen zusammen zu wohnen ist unheimlich spaßig, da aller sehr nett und lustig drauf sind. Silvia ist Lehrerin, Zina arbeitet beim Arbeitsamt und Miška ist, so weit ich das verstanden habe, eine Studentin die nebenbei noch bei einer Versicherung arbeitet. Geregelt ist das Zusammenleben so, das jeder seine eigenen Lebensmittel einkauft und jeder, logischerweise, sein eigenes Zimmer sauber macht. Der Rest der Wohnung wird bisher noch hauptsächlich von den Mädchen sauber gehalten. Wenn ich dann helfen will wird sich zum Teil gefragt wieso ein Junge bitte schön auf die Idee kommt putzen wollen, kein Witz! Gespült wird von dem der gerade Lust dazu hat. Nachdem ich den Brausekopf der zweiten Dusche vom Kalk befreit habe, habe ich auch sozusagen meine eigene Dusche. Mit einer hat zwar auch super funktioniert, gab allerdings teilweise Komplikationen am Morgen. In meiner sonstigen Freizeit beantworte ich in einer kleinen Kaffee- und Cocktailbar Emails. Dort bin ich jetzt schon fast so etwas wie ein Stammkunde. Bis jetzt bin ich noch dabei einen Termin mit diversen Leuten zu finden wann wir uns endlich mal treffen (wenn man dann nicht doch spontan ne SMS mal bekommt^^) und etwas zusammen unternehmen können. Eine Arbeitskollegin hat mir auch etwas von einer Jugendgruppe erzählt, mit der ich einmal Kontakt aufnehmen möchte. Sonst war ich die letzten beiden Wochen nach der Arbeit meistens noch mit Lenka zusammen und habe ihr dabei geholfen ihr Deutsch ein wenig zu verbessern. Auch wenn sie schon wirklich sehr gut Deutsch spricht will sie doch immer noch besser werden. Typisch Slowaken. Allgemein sitze ich, wenn ich nach Hause komme, noch oft mit den Mädchen zusammen. Wir gucken fern, unterhalten uns viel usw. Mir geht es hier also sehr gut. Eingelebt habe ich mich schon lange. Ich genieße es richtig hier zu sein und bin auf das weitere Jahr noch sehr gespannt. Ich habe das Gefühl es geht die ganze Zeit immer weiter aufwärts und ich bin mir ganz sicher ich werde noch einiges hier in der Slowakei erleben. Wer dazu ein paar Bilder sehen will kann gerne mal auf www.Ursel.wordpress.com gehen. Ich lade dort immer wieder ein paar Bilder hoch.
Ganz viele Grüße also in die Heimat und zu den anderen Freiwilligen in die ganze Welt!!!
Und natürlich vielen, vielen….VIELEN DANK an alle die mich dabei bisher unterstützen!!!
Euer Tobi
September 22, 2008 at 5:03 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar
Die erste Woche
Sooooo…
jetzt bin ich also schon eine Woche hier und mittendrin im neuen Leben. Nach anfanglichen Schwierigkeiten mit den Bussen und Strassenbahnen funktioniert das mit der Orientierung schon ein bisschen besser. Im Moment kummer ich mich noch um meine schlechten Sprachkenntnisse und danach um erst um den Rest. Hier auf der Sprachschule gibt es noch einen Deutschen der ein ganzes Jahr in Bratislava leben wird. Das finde ich schon mal ganz praktisch weil ich dann wen hatte mit dem ich am anfang abhangen und abends weg gehen kann und so, weil wenn man noch gar niemanden kennt ist das ja schon blod. aber ab september kommen ja auch noch ein paar slowakische Freunde die hier studieren werden.
Die Schule ist schwer fur mich. Aber ich beiss mich durch. Will die Sprache ja auch konnen.
Weiterhin bin ich gespannt wie sich das kommende Jahr noch entwickeln wird. In 2 Wochen fangt ja schlieslich auch meine Arbeit bei der Caritas an.
Man darf also gespannt sein.
der letzte Monat
Es ist endlich geschafft. Meine Ausbildung zum Bauzeichner ist abgeschlossen und ich kann mich im letzten Monat vor meiner Abreise um die letzten Vorbereitungen kümmern, mich von meinen Freunden verabschieden und auch ein bisschen Urlaub machen.
Juli 2, 2008 at 12:19 vormittags Hinterlasse einen Kommentar